Sanierung vs Neubau – Vergleichsstudie Ökoindex 3

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Eine der am häufigsten gestellten Fragen in meinem Bekanntenkreis aber auch von interessierten Laien lautet: „Wie hochwertig soll eine thermische Sanierung bei einem alten Gebäude erfolgen?“

Hmmmh, ehrlich gesagt konnte ich diese Frage bisher weder objektiv beantworten noch durch bauphysikalische Berechnungen beurteilen. Ist es energietechnisch und ökologisch verträglicher ein altes Gebäude nur teilzusanieren, eine kürzere Lebensdauer anzusetzen und nach erfolgtem Abbau durch einen Neubau zu ersetzen? Rechtfertigen die Einsparungen im Betrieb eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus die technisch aufwendige und teure Komplettsanierung? Oder ist die sinnvollste Variante den Altbau gleich wegzuschieben und ein hochwertig ausgestattetes Passivhaus auf die grüne Wiese zu setzen?

Seitdem vom Institut für Baubiologie www.ibo.at ein Berechnungsmodell (Eco2Soft Ökoindex 3) für den Lebenszyklus eines Gebäudes entwickelt wurde, kann nun eine Gesamtbilanz des Energieverbrauchs sowohl bei der Herstellung eines Gebäudes als auch in der Betriebsphase berechnet werden und über den gesamten Lebenszyklus dargestellt werden.

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Das Sanierungsprojekt „Auf der Matte“ in Bregenz wurde als Referenzmodell herangezogen um verschiedene Sanierungsvarianten in einem Betrachtungszeitraum von 90 Jahren zu untersuchen. Die erste Variante stellt den unveränderten Bauzustand aus dem Jahre 1926 dar, der durch hohe Wärmeverluste gekennzeichnet ist aber keinen Energieverbrauch durch Sanierungsmaßnahmen aufweist.

Die zweite Variante umfasst eine thermische Sanierung mit Fenstertausch und Dämmung der obersten und untersten Geschoßdecke.

Die dritte Variante sieht eine Komplettsanierung vor, welche die gesamte thermische Gebäudehülle und das wärmeaufbereitende Haustechniksystem beinhaltet. Diese einzelnen Varianten werden abschließend mit dem Ökoindex eines Neubaus verglichen. Um die Vergleichbarkeit zu gewährleisten basieren die Sanierungsmodelle auf folgenden Grundlagen: Dem Energieverbrauch des Gebäudes in der Betriebsphase liegt der jeweils errechnete Heizwärmebedarf zugrunde, der Strombedarf entspricht einer Haushaltsgröße von vier Personen. Je nach Sanierungsgrad wird dem Bestandsgebäude eine Restnutzungsdauer hinterlegt, nach Ablauf dieser Restnutzung wird der Altbestand durch einen Neubau ersetzt.

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Auf Basis dieses Berechnungsmodells und der Studienergebnisse können nun die ökologische Bewertung der Sanierungsmaßnahmen nicht nur für die Herstellung sondern auch über den gesamten Lebenszyklus geplant und optimiert werden.

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